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~Noa~

Noas nächste Nachtgedanken

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von am 03.06.10 um 23:22 (1362 Hits)
Heute fiel mir wieder mal auf, wie wenig es braucht, um ein Fan zu sein. Ich denke mit täglich wachsendem Grauen an die Fussball-WM, die mir buchstäblich ins Haus steht: Public Viewing wird direkt vor meinem Haus ausgetragen, und ich werde mich wohl (eher übel) an Fans gewöhnen müssen, die in den Hof pinkeln und mir den Duft von Erbrochenem und Urin in den dritten Stock hinauftragen (ich weiss, wovon ich spreche). Von den wüsten Flüchen auf die Jogi-Jungs und ähnliche Pfeifen ganz zu schweigen. Ja, wovon man Fan ist, muss so gut sein wie man selber. Mindestens. Und wenn’s nicht so ist, zieht das Objekt der Begierde die Arschkarte. Um mal bei den Sportmetaphern zu bleiben.

Ich bin ja leider kein Fussballfan. Aber House, House liebe ich. Ich schaue die Serie mit Begeisterung. Eben als Fan. Gemeinerweise ist nicht alles ist so, wie ich das gern hätte. Aber ich bewundere die Autoren dafür, eine sehr komplexe Geschichte um genau so komplexe Charaktere zu erzählen. (Und ich liebe sie heiss und innig dafür, dass sie Jesse Spencer anstelle Gerald Butler „entdeckt“ haben. Und Hugh Laurie von seinem Bertie Wooster-Syndrom kuriert haben!)

In letzter Zeit bin ich aber nicht mehr sicher, ob ich ein Fan bin. Weil, ich habe zu wenig Schlechtes über die Serie zu sagen. Und das gehört eindeutig dazu zum Fansein. Das muss einfach raus, da muss man mal alle Autoren und Produzenten dafür rügen, dass sie die Serie den Bach runtergehen lassen. Man muss der Serie auch mal unbedingt schlechte Quoten wünschen. Sich darüber aufregen, dass es – um Himmels Willen! – noch eine unzumutbare weitere Staffel gibt. Dass oscarreife Schauspieler mit stussigen Drehbüchern und haarsträubender Charakterentwicklung gestraft werden. Als Konsequenz muss man der Serie ein desaströses Ende prophezeien, nein wünschen. Am besten kommt das, wenn man seine verständliche Bitterkeit auf Fanforen und Blogs verbreitet. Damit auch andere potentielle Fans kapieren, was für einen Schrott sie sich da Woche für Woche reinziehen.

Zum Glück hat mein Fernseher einen Knopf zum Abschalten. Den benutze ich häufig, besonders dann, wenn ich mich mal wieder zum Fan zu entwickeln drohe. So schalte ich beispielsweise bei Rosamunde Pilcher, Musikantenstadel, Sportübertragungen und politischen Debatten ab. Zu meinem eigenen Schutz. Ich will ja schliesslich nicht als deren Fan geoutet werden.

So. Und jetzt lasse ich mich von der neuen Andrea Berg-CD um den Schlaf bringen. Gute Nacht.

Aktualisiert: 03.06.10 um 23:38 von ~Noa~

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Kommentare

  1. Avatar von Housito
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    Vielleicht tröstet es dich, dass ich glaube, dass dieses Mal das Public Viewing vielleicht gar nicht soooo viel Anklang findet wie bei der WM 2006. Damals stimmte eben einfach alles, WM im eigenen Land, fantastisches Wetter, tolle Spiele. Ob das alles in diesem Jahr wieder genauso hinkommt, bezweifle ich irgendwie. Und man kann solche Stimmung ja nicht mal einfach so herbeizitieren.
    Ich hoffe daher für dich, dass es sich in erträglichen Grenzen hält.
  2. Avatar von ~Noa~
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    Danke, ist lieb von dir! Leider reicht mir schon ein halbes Dutzend Fans, die mir in den Hof ......... Und so viele werden den Weg garantiert finden. Das PV bringe ich dagegen mit zusammengebissenen Zähnen und flaggenschwenkend hinter mich... Die einzige Flagge, die ich habe, ist zwar eine mit Che Guevara drauf, aber so genau nehmen es die Fans hoffentlich nicht..? (;
  3. Avatar von Onion Addict
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    Woah, ich wusste gar nicht, dass dir die Serie aktuell SO wenig gefällt! Da wird mir ja ganz anders. Sag nicht, dass ich lieber gleich nach der 3.Staffel was anderes gucken soll! Bald bin ich nämlich durch mit dem alten Team... mir graut es ja schon länger vor dem Neuen.
    Schlechte Charakter-Entwicklung? Hör mir auf! Bisher lief doch alles so wunderbar. Wenn das mit Cameron nur der Anfang ist, dann kann ich mich ja auf was freuen....
    Bis auf die 9.Staffel von Scrubs, war ich bisher nie sauer auf eine Serie. Klar werden die Folgen immer schlechter, weil die Ideen ausgehen, aber es ist ne andere Sache, wenn man alles kaputt macht, was man aufgebaut hat. Sogar bei Akte X habe ich den Ausstieg von David Duchovny verkraftet. Da hätte man auch aufhören können. Aber zumindest mochte ich seinen Ersatzmann und obwohl die Folgen irgendwann doof waren, blieb man der Figur der Scully treu und das Finale war eigentlich ziemlich gut.
    Ich habe nichts gegen Veränderungen, wenn sie nachvollziehbar sind.
    Mal sehen was mich noch erwartet. Ich darf mich ja dann bei dir ausheulen, ja?
  4. Avatar von Onion Addict
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    Haha, oops, da stand ich wohl auf dem Schlauch! *peinlich*
    Obwohl ich finde, dass man gerade als Fan sehr kritisch sein darf. Finde es völlig ok sich aufzuregen, wenn die Schreiber Müll produzieren. Nur sollte man sich nicht dauernd beschweren wie furchtbar alles ist, aber als weiter schauen und damit allen anderen die Freude verderben. Das stimmt. Sich lieber das baldige Ende einer Serie zu wünschen als ein langsames peinliches Sterben, empfinde ich aber sogar als großen Ausdruck des Fan-Seins. Genauso wie sich dennoch alle Folgen anzusehen. Hab mir als riesen Scrubs-Fan auch die 9.Staffel angetan, hatte mir aber gewünscht, dass nach der 8. Schluss ist.
    Hm..hoffentlich habe ich dich nicht wieder falsch verstanden!
  5. Avatar von ~Noa~
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    @Onion Addict... Keine Bange, du hast die Ironie durchschaut! (;
    Ich finds schade, dass sich "Fans" immer und ewig ein Ende der Serie wünschen, anstatt einfach aufzuhören, zu schauen und sie anderen überlassen, die noch Spass daran haben. House ist qualitativ nicht schlechter geworden, nur anders. Aber Veränderung ist doch gut! Ich fand die 6. Staffel grandios. Viel besser als 4. und 5. Und ich bin sicher, da ist noch eine Steigerung möglich. Also bitte noch viele, viele Staffeln mit viel Charakterentwicklung, solange Hugh Laurie und die anderen noch wollen und auch Spass dran haben.