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Everybody's Fine

Erstellt von Onion Addict, 01.07.2010, 00:13 Uhr · 0 Antworten · 597 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Onion Addict

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    Everybody's Fine

    Kennt jemand von euch den Film Everybody's Fine?
    Der kam bereits im März ins Kino, ich habe ihn aber erst heute bei uns im Kino in der Originalvorstellung gesehen. Hatte da gerade Dienstsende und habe mir den Film reingezogen, ohne zu wissen was mich erwartet. Hatte nämlich wie immer vergessen, dass ich den Film sehen wollte, bis mein Kollege zwei Kinogängern das Programm vorgelesen hat *g* Da fiel mir wieder 10 Minuten vor Dienstende ein, dass ich den Trailer mal gucken wollte im Vorfeld. Also habe ich mir schnell noch nen Döner nebenan geholt, ihn in meiner Tasche versteckt, damit der Chef's nicht sieht und bin in den Film gegangen. Die erste paar Minuten habe ich verpasst, aber das machte nichts.

    Hier mal ne kurze Inhaltsangabe von filmstarts.de:

    Der Witwer Frank Goode (Robert De Niro) hat vor acht Monaten nach 41 Ehejahren seine geliebte Frau verloren und sucht jetzt einen neuen Platz im Leben. Doch der Start fällt verhalten aus: Seine vier Kinder Robert (Sam Rockwell), Amy (Kate Beckinsale), Rosie (Drew Barrymore) und David (Austin Lysy) sagen geschlossen eine fest geplante Familienzusammenkunft im Hause des alten Herrn ab. Doch wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg halt zum Propheten. Der gesundheitlich angeschlagene Frank entschließt sich daheim in Connecticut, zu einem Road Trip aufzubrechen und seine Kinder der Reihe nach zu überraschen. Doch schon auf seiner ersten Station erlebt er eine Enttäuschung. In New York steht Frank vor der verlassenen Wohnung seines Künstler-Sohnes David. In Chicago scheint er bei der erfolgreichen Werbeagentur-Chefin Amy, deren Sohn Jack (Lucian Maisel) und ihrem Mann Jeff (Damian Young) wenig willkommen zu sein. Zu unterkühlt ist die Atmosphäre. Irgendetwas stimmt nicht. Denn dieser Eindruck vermittelt sich auch in Denver, wo sich herausstellt, dass Robert keineswegs einem berühmten Orchester als Dirigent vorsteht, sondern lediglich als Percussionist sein Geld verdient. Auch in Las Vegas verheimlicht Rosie, die in ihrem luxuriösen Appartement als Tänzerin großen Erfolg vorlebt, ihrem Vater Grundlegendes...
    Vom Titel her zu urteilen, dachte ich, es wäre ne Satire oder Komödie, vielleicht Tragikomödie. Es ist aber einfach ein Drama. Besser gesagt am Ende ein richtiger Heulfilm. Und ja, ich musste auch weinen!
    Das ist aber nichts schlechtes. Mir hat der Film ziemlich gut gefallen, auch wenn die traurige Auflösung am Ende sehr vorhersehbar ist. Auch das darauf folgende Happy End, wenn auch ein getrübtes, war mal wieder typisch Hollywood.
    Davon abgesehen, fand ich den Film schön erzählt und gut gefilmt.

    Die Geschichte ist schon vielfach erzählt worden, aber eben so universell, dass sie nie alt wird.
    Es geht um das Verhältnis von Eltern und Kindern. Um Erwartungen der Eltern und ihrem Wunsch, dass aus ihren Kinder etwas wird und sie glücklich sind. Diese Erwartungen wollen die Kinder nie enttäuschen und belügen ihre Eltern deswegen nicht selten.

    Achtung, enthält ab hier Spoiler!

    Robert DeNiro spielt den einsamen Vater gewohnt gut. Als er seine Kinder mit einem Besuch überrascht, sind die gar nicht begeistert. Keiner hat zeit für ihn. Die Gespräche sind verkrampft. Der Vater hat seine Kinder länger nicht gesehen. Die haben immer nur mit ihrer Mutter telefoniert. Er ist einer dieser typischen Vaterfiguren in Dramen: hat nur gearbeitet und deswegen nie Zeit für seine Kinder gehabt. Er war aber ein recht strenger Vater, der von seinen Kinder verlangt hat, dass sie sich anstrengen und etwas aus ihrem Leben machen. Selbst Fabrikarbeiter, hat er wie alle Eltern den Wunsch, dass seine Kinder erfolgreich sind. Dafür hat er geschuftet und so seine erwachsenen Kinder nie richtig kennen gelernt.
    Während der Zugfahrt zeigt er einer Passagierin stolz ein Foto seiner Kinder. Alle sind sie erfolgreich: ein Künstler, eine Tänzerin, ein Dirigent und eine Werbeagentur-Chefin. Das hat ihm seine Frau zumindest gesagt. Er selbst hatte sich bisher nie davon überzeugen können.
    Am Ende stellt sich heraus, dass von seinen Kindern nur eins wirklich erfolgreich ist, aber keines ist glücklich. Das wusste die Mutter die ganze zeit. Aber sie hat es ihrem Mann nie gesagt, damit er glücklich sein kann, in dem Glauben, dass seine Kinder ein tolles Leben führen. Die Werbeagentur-Chefin lebt getrennt von ihrem Mann, der Sohn hasst seinen Vater dafür, dass er eine neue Freundin hat. Die Tänzerin hat die schicke Wohnung nur geliehen und tanzt nicht für eine große Las Vegas-Show. Sie hat ein Baby, aber keinen Mann. Zur zeit hat sie eine Freundin. Der Dirigent ist nur ein mittelmäßig guter Percussionist. Und der Künstler, der verschwunden scheint, ist, wie sollte es anders sein, vor ein paar Tagen an einer Überdosis gestorben. Deswegen waren die Geschwister so abweisend als der Vater vorbei geschneit kam.

    Ein ganz nettes Stilmittel des Films ist es, die Geschwister in ihrer ersten Szene zuerst als Kinder zu zeigen, so wie sie der Vater in Erinnerung hat. Damals, als alles noch in Ordnung schien. Im nächsten Augenblick sind sie erwachsen.
    In einer sehr surrealen Szene, als der Vater gerade einen Herzinfarkt erleidet, sitzt er mit seinen kleinen Kindern (ca. 6-10 Jahre) am Tisch im Garten beim Essen. Die Kinder erzählen ihm davon, wie ihr Leben wirklich verlaufen ist und was sie ihrem Vater verheimlichen. In der nächsten Szene liegt er im Krankenhaus und drei der Geschwister sind nun gekommen. Da erfährt er vom Tod des einen Sohnes.
    Danach wird stark auf die Tränendrüse gedrückt. Man sieht den Sohn wieder als Kind, der seinem Vater erzählt, dass es nicht seine Schuld war.
    Dieser erkennt, dass er seinen Kindern nie richtig zugehört hat und der Erwartungsdruck sie belastet hat.
    Am Ende trefft sich die restliche Familie zu Weihnachten und jetzt wo die Lügen aufgedeckt sind, ist sich die Familie wieder näher gekommen und zum ersten mal geht es allen wirklich ganz gut.

    Das Thema ist vielleicht ausgelutscht und bietet auch in diesem Film nichts neues, aber die Umsetzung hat mir dennoch gefallen.
    Wen es nicht stört ganz schamlos zum heulen manipuliert zu werden, kann ich den Film empfehlen.

    Wertung: 8/10.

  2.  
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