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Kommunismus

Erstellt von Hugh1977, 03.09.2007, 17:54 Uhr · 12 Antworten · 2.619 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Hugh1977

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    Pfeil Kommunismus

    Bevor ich heute zur Arbeit gefahren bin, habe ich noch bei Phoenix eine Dokumentation über Nordkorea angesehen, und da war ich wirklcih erschrocken und habe fassungslos vor dem Fernseher gesessen, als ich die Menschen gesehen und vor allem gehört habe. Sie haben dort auch einige Schulen gezeigt, in denen die Kinder eigentlich nur zum Soldaten getrimmt und auf den nahenden Krieg gegen den kapitalistischen Feind erzogen werden. Schon in einer Art Krabbelgruppe werden den Zweijährigen, sobald sie sprechen können, kommunistische Parolen auf den glorreichen, geliebten Führer Kim Jong Il und patriotische Lieder eingebleut.

    Auf der anderen Seite hungern die Menschen, liegen Industrie und Landwirtschaft brach. Eine gewisse Versorgung wird nur durch Hilfsaktionen aus anderen Ländern aufrecht erhalten. Dennoch beharren die Menschen auf ihrer kommunistischen Denkweise und lassen sich auch nicht umstimmen. Ich hoffe ja, daß das nur vor der Kamera so ist, daß es doch ein paar Menschen gibt, die sich irgendwann gegen dieses militärische System auflehnen, doch andererseits hat Nordkorea die drittgrößte Streitkraft der Welt (!), und vermutlich würde es wieder zu einem ungehörigen Blutbad kommen, wenn sich Menschen gegen das System auflehnen. Irgendwie hat mich die gesamte Dokumentation an "1984" erinnert - man lebt eben in diesem System und findet sich mit den Verhältnissen ab - die meisten sind gebrochen vom System und haben resigniert.

    Was mir zum Schluß einfiel war, daß wir in der DDR richtig Glück gehabt haben, weil es so unblutig vonstatten gegangen ist und weil es zum rechten Zeitpunkt gekommen ist.

    Das war eine lange Vorrede zu meinem Anliegen. Nun das Anliegen dieses Threads: An sich ist das System des Kommunismus ja hübsch gedacht: Nichts gehört einem persönlich, der Staat verwaltet alles und jeder bekommt den gleichen Anteil. Das große Problem ist dann jedoch, daß es jemanden geben muß, der wiederum die Verwaltung und Zuteilung überwacht, und hier sind wir dann bei dem Problem, das sowohl die DDR als auch die Sowjetunion zu Fall gebracht hat: Für Verwaltung und Zuteilung braucht es Menschen, und wer in einer derartigen Machtposition ist, wird dieser kaum entgehen. Und selbst wenn es einzelne Personen gibt, die von unerschütterlichem Großmut beseelt sind, daß sie allen Menschen etwas gutes tun wollen und sich nicht mehr in die Taschen stecken wollen als den anderen, dann stehen diese nur allein da oder es folgen ihnen Menschen nach, die wieder nur an sich denken. Ein Kommunismus in erdachter Reinkultur kann daher meines Erachtens nie funktionieren, da er zu viele unberechenbare Unbekannte mit einbeziehen muß, nämlich alle Menschen, die in diesem Kommunismus leben - auf längere Zeit funktioniert das eben nicht, weil ein Mensch immer so viel nehmen wird, wie er bekommen kann. Selbstbeschränkung gehört nicht zum Wesen eines Menschen, es gehört stets Selbstbeherrschung dazu, und viele Menschen, die in Versuchung kommen, nutzen sie auch aus - die wenigen, die es nicht tun, sind dann zwar charakterlich gut, haben aber letztlich nichts davon, weil diejenigen, die die Versuchung annehmen wollen, schon in Reih und Glied hinter ihnen stehen.

    Aber was denkt ihr nun davon? Haltet ihr den Kommunismus für lebensfähig? Seid ihr selbst in der DDR aufgewachsen und könnt über real-kommunistische Verhältnisse berichten und was haltet ihr heute davon? Und schließlich: Was glaubt ihr, wie lange kann die nordkoreanische Regierung ihre Menschen noch niedrig und systemtreu halten? Ich bin gespannt, ob es hier im Forum auch Leute gibt, die sich über dieses Thema Gedanken machen.

  2.  
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  3. #2
    Avatar von Severus Snape

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    Gutes Thema Hugh wirklich.

    Ich bin in der DDR aufgewachsen und ich kann eigentlich nichts negatives dazu sagen.OK ich war 10 Jahre alt als die Wende kam,aber ein bissle ist schon an mir haften geblieben.Was ich persönlich besser fand an der DDR und beruht leider teilweise aus Erzählungen und teilweise weil ich es mitbekommen habe waren,jeder hatte Arbeit,die Mieten waren definitiv so hoch wie heute und jedes Kind hatte einen Krippenplatz.
    Natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille.Andersdenkene wurden verfolgt und eingespeert.Aber es hat sie ja niemand gezwungen zu bleiben.Sie hätten ja auch gehn können.Ist meine Meinung.
    Ob der Kommunismus lebensfähig ist kann ich nicht beantworten.Ich denke schon.Es dürfen nur keine machtgierigen alten Männer die Spitze innehaben.Denn solange solche Leute die Macht haben,können sie die Leute einschüchtern und was weiss ich sonst noch was
    PS.Mich stört etwas das die Stasi so einen schlechten Ruf hat.Klar die haben ganz schön bespitzelt,aber was der BND macht is richtig oder was.Und in der DDR hatte nich jeder einen PC

  4. #3
    Avatar von angel29.01

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    Das der Kommunismus nicht funktioniert, hat ja die Geschichte eindrucksvoll gezeigt. Klar, ist das Prinzip im Kommunismus nicht schlecht.
    Aber da fallen mir zwei Sprichwörter zu ein: "Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert" und "Das ist gut gedacht, aber schlecht gewusst".

    Ein Problem bei dem System ist, das es davon ausgeht, das die wirtschaftliche Kapazität fest und starr ist. Also das es so gut wie kein wirtschaftliches Wachstum gibt bzw. dieses irgendwann zu Ende ist. Ein anderes Problem ist die Verachtung der menschlichen Natur. Ein Mensch strengt sich nur an, wenn es sich für ihn lohnt. Und das tut es einfach nicht, wenn der Müllmann genauso viel bekommt, wie der Physiker. Und schließlich wird der technologische Fortschritt völlig außer Acht gelassen. Das Prinzip Kommunismus basiert ja quasi auf schwer industrieller Arbeit und das die Arbeitnehmer, nur von dieser Arbeit leben können und dadurch abhängig sind. Sowas ist in der heutigen Zeit, wo jeder mit einem Computer und den dazugehörigen Kenntnissen Wirtschaftswachstum erzeugen kann, absoluter Schwachsinn.

    Wie lange Nordkorea noch durchhält? Ich hoffe nicht mehr lange!
    Die Menschen haben dort was besseres verdient, als einen irren Diktator.

  5. #4
    Dreamer
    Avatar von Dreamer
    Original von cora
    Gutes Thema Hugh wirklich.

    Ich bin in der DDR aufgewachsen und ich kann eigentlich nichts negatives dazu sagen.OK ich war 10 Jahre alt als die Wende kam,aber ein bissle ist schon an mir haften geblieben.Was ich persönlich besser fand an der DDR und beruht leider teilweise aus Erzählungen und teilweise weil ich es mitbekommen habe waren,jeder hatte Arbeit,die Mieten waren definitiv so hoch wie heute und jedes Kind hatte einen Krippenplatz.
    Natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille.Andersdenkene wurden verfolgt und eingespeert.Aber es hat sie ja niemand gezwungen zu bleiben.Sie hätten ja auch gehn können.Ist meine Meinung.
    Ob der Kommunismus lebensfähig ist kann ich nicht beantworten.Ich denke schon.Es dürfen nur keine machtgierigen alten Männer die Spitze innehaben.Denn solange solche Leute die Macht haben,können sie die Leute einschüchtern und was weiss ich sonst noch was
    Ganz ehrlich, wenn ich sowas lese geht mir echt die Hutschnur hoch. Und ich will jetzt nicht diesen Blödsinn von Ausreiseanträgen hören. Die wurden bei "normalen" Bürgern ohne zweites Einkommen eh nie bearbeitet und wenn doch dann waren die echt arm dran. Abgesehen davon, hätte niemand flüchten müssen, wenn die Ausreise so leicht gewesen wäre. Was glaubst du warum die Mauer gebaut haben?
    Und zu den Mieten Cora - mach dich mal schlau was man damals verdient hat.

  6. #5
    Avatar von Master Blaster

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    Schwieriges Thema. Meine Meinung dazu:

    Stalinismus und Sozialismus sind nicht dasselbe. Und das ist es was alle bisherigen "kommunistischen" Staaten waren: stalinistisch. Statt eine gerechte Gesellschaft zu schaffen haben die Machthaber in diesen Staaten die Bürokratie zu einer Kaste gemacht welche die sozialen Gegensätze zu ihrem eigenen Wohl ausnutzt.

    Weil du schreibst das in einem kommunistischen Staat dem einzelnen nichts gehört und der Staat alles verwaltet:
    Das stimmt so nicht. Was abgeschafft werden soll ist das Privateigentum an Produktionsmitteln, d.h. Fabriken usw.
    Die Theorie die dahinter steht ist das ein Mensch der nichts besitzt als seine Arbeitskraft (also keine Produktionsmittel hat) darauf angewiesen ist diese zu verkaufen und die Kapitalisten die Arbeiskraft ausbeuten um Gewinn zu erwirtschaften. Ducrh der Abschaffung des Privateigentums und der Herstellung der kommunistischen Gesellschaft soll die Ausbeutung beendet werden.

    Ich kann das nicht so gut erklären weil das alles ein bißchen kompliziert ist, aber wenn dich wirklich interessiert wie der Kommunismus aussehen sollte würde ich dir raten das Manifest der Kommunistischen Partei von Marx und Engels zu lesen, selbst von du die dort aufgestellten Thesen nicht teilst lernst du dabei sehr viel.

    Jetzt noch meine eigene Meinung ob der Kommunismus möglich ist:
    Nur weil alle bisherigen Versuche kläglich gescheitert sind heiß das nicht das er auch künftig nicht möglich ist. Trotzdem ist es sehr unwahrscheinlich, schon allein da dafür eine Art Weltrevolution nötig wäre und diese würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren und höchstens in einem stalinistischen System enden.

  7. #6
    Avatar von angel29.01

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    Original von Master Blaster

    Das stimmt so nicht. Was abgeschafft werden soll ist das Privateigentum an Produktionsmitteln, d.h. Fabriken usw.
    Die Theorie die dahinter steht ist das ein Mensch der nichts besitzt als seine Arbeitskraft (also keine Produktionsmittel hat) darauf angewiesen ist diese zu verkaufen und die Kapitalisten die Arbeiskraft ausbeuten um Gewinn zu erwirtschaften. Ducrh der Abschaffung des Privateigentums und der Herstellung der kommunistischen Gesellschaft soll die Ausbeutung beendet werden.
    Genau das ist der Denkfehler in Bezug auf technologischen Fortschritt, den ich in meinem Post beschrieben habe. Die Arbeit ist heute nicht mehr von den alten "Produktionsmitteln" abhängig und dadurch, muss sich kein Mensch verkaufen, um wirtschaftlich tätig zu sein.
    Nimm einen Webdesigner: Seine Produktionsmittel sind seine Ausbildung, seine Kreativität, einen Computer und ein passendes Programm.

    Der Kommunismus ist eine Idee, die nur in ihre Zeit passt:
    Wo es tatsächlich nur solche Produktionsmittel gab und die Menschen ausgebeutet wurden. Das trifft auf die heutige Zeit nicht mehr zu.

  8. #7
    Avatar von Master Blaster

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    Original von angel29.01

    Genau das ist der Denkfehler in Bezug auf technologischen Fortschritt, den ich in meinem Post beschrieben habe. Die Arbeit ist heute nicht mehr von den alten "Produktionsmitteln" abhängig und dadurch, muss sich kein Mensch verkaufen, um wirtschaftlich tätig zu sein.
    Nimm einen Webdesigner: Seine Produktionsmittel sind seine Ausbildung, seine Kreativität, einen Computer und ein passendes Programm.

    Der Kommunismus ist eine Idee, die nur in ihre Zeit passt:
    Wo es tatsächlich nur solche Produktionsmittel gab und die Menschen ausgebeutet wurden. Das trifft auf die heutige Zeit nicht mehr zu.
    Ich würde das anders sehen, das die Produktionsmittel heute viel moderner sind als vor 150 Jahren ist klar. Schon im Manifest steht das der Kapitalismus nur existieren kann wenn die Produktionsmittel immer weiterentwickelt werden.

    Zum Verkauf der Arbeitskraft: Nehmen wir einmal mich. Ab Oktober studiere ich Elektrotechnik. Wenn ich damit fertig bin könnte ich z.B. zu einer Bank gehen und versuchen Geld für eine eigene Firma zu bekommen. Aber was mache ich wenn ich kein Kapital kriege? Ich gehe zu einer anderen Firma und "verkaufe meine Arbeitskraft". Das ich mehr Geld kriegen würde als man früher bekommen hat und der Lebensstandard allgemein gestiegen ist hat bei der Auslegung der Theorien keine Bedeutung finde ich.

  9. #8
    Avatar von angel29.01

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    Heute verkaufst du aber nicht mehr deine Arbeitskraft - im Sinne von körperlicher Arbeit - du verkaufst dein Wissen, deine Fähigkeiten. Außerdem sind die Bedingungen der Arbeit viel besser und was noch wichtiger ist, die unternehmerische Basis ist größer. In der Vergangenheit waren die Menschen wirklich abhängig vom Arbeitgeber. Die Wirtschaft war in den Händen von einigen wenigen Unternehmern, die die Regeln diktierten. Oft waren sogar die Unterkünfte der Arbeitnehmer auch in der Hand der Arbeitgeber.

    Heute ist ein gut gelernter Mensch weniger bis gar nicht abhängig.

    Wie ich schon sagte, der Kommunismus ist eine Idee, die vom damaligen Zeitgeist lebt.
    Abhängige Arbeitnehmer, körperliche Arbeit, langsamer technologischer Fortschritt, große soziale Ungleichheiten usw.

  10. #9
    Avatar von angel29.01

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    Sorry! Kam auf den falschen Button.....

  11. #10
    Avatar von Faultier

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    Ich muss angel bei diesem Thema zustimmen, die Idee des Kommunismus das keiner mehr ausgebeutet wird war sicher gut aber es wird nie funktionieren weil es immer Menschen sind die einen Staat leiten und Menschen achten am meisten auf den eigenen Vorteil.
    An Nordkorea sieht man ja auch das die Leute da alles andere als besser leben. Die Menschen werden doch total manipuliert. Kann hierzu ein buch empfehlen: Die Tränen meiner Seele. ISt über eine Frau die in Nordkorea vom Geheimdienst angeworben wurde und dann ein Flugzeug in die Luft gejagt hat.

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