Ergebnis 1 bis 6 von 6

Wie stark wird an eurer Schule der Umgang mit Menschen anderer Herkunft thematisiert?

Erstellt von Onion Addict, 09.07.2010, 16:11 Uhr · 5 Antworten · 1.351 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Onion Addict

    Registriert seit
    10.04.2010
    Beiträge
    252

    Wie stark wird an eurer Schule der Umgang mit Menschen anderer Herkunft thematisiert?

    Hallo mal wieder.
    Ich lese für meine schriftliche Abschlussprüfung im Fach Pädagogik gerade über interkulturelle Erziehung und Bildung. Da hier noch viele User zur Schule gehen, würde es mich interessieren, ob bei euch im Unterricht viel über den Umgang mit Menschen anderer Herkunft gesprochen wird.
    Die Schule ist ja eine Institution, die auf das Leben in der heutigen Gesellschaft vorbereiten soll. Und da wir mittlerweile auch in Deutschland in einer äußerst multikulturellen Gesellschaft leben, wird verstärkt darüber diskutiert, wie man die damit verbundenen Probleme in der Schule sinnvoll behandeln kann.

    Als ich noch zur Schule ging, gab es noch wenige Kinder nicht-westeuropäischer (sprich "weißer") Herkunft in meiner Klasse. Ich kann mich aus der Grundschule nur an einen marokkanischen Jungen erinnern, der auch von mir stark gehänselt wurde, weil er für unsere deutschen Nasen "stank". In der Förderstufe hatten wir ein chinesisches Mädchen, dass auch fertig gemacht wurde und ein pakistanisches Mädchen. Weiße Zuwandererkinder aus Italien, Polen oder Tschechien wurden von der Klasse akzeptiert, soweit ich mich erinnere.
    Ich denke, heute, 10-15 Jahre später, ist das nicht anders unter Kindern/Schülern.
    Ich denke aber, dass allein dadurch, dass wir heute ständig mit Menschen anderer Herkunft und Kultur zu tun haben, der Umgang toleranter geworden ist. Zumindest oberflächlich. Auf der Uni tummeln sich Menschen aller Länder und für mich ist das ganz normal und schön. Ich finde es toll, dass heute so viel Mobilität herrscht und man so viel über anderen Kulturen durch Freunde und deren Freunde lernt.

    Wie seht ihr das? Wird eine Erziehung zur gegenseitigen Wertschätzung in der Schule a) überhaupt groß thematisiert und b) ist das überhaupt nötig? Wenn ich mir überlege wie viele rassistische Kommentare ich täglich höre, denke ich das schon. Habt ihr Interesse an dem Thema oder seid ihr der Meinung, junge Menschen kämen heute doch schon bestens miteinander aus, ungeachtet ihrer Herkunft?
    Wenn in der Schule viel über sowas geredet wird, würde mich auch interessieren über was genau.
    In der Pädagogik hört man oft, dass die schulische Umsetzung (besonders in Amerika) oft nur darin besteht, dass andere Kulturen oberflächlich und meist stereotyp vorgestellt werden und somit Unterschiede betont werden und dadurch Vorurteile eher verstärkt werden.
    Wie erlebt ihr das? Lernt ihr eher über anderen Kulturen oder wie die eigene Weltanschauung durch unsere Kultur bestimmt ist und wie es dadurch zu Rassismus kommt?
    Es ist wichtig, dass man als Angehöriger der Mehrheit erkennt, dass man die Welt so sieht, wie sie von der Kultur, in der man lebt, bestimmt wird. Das nennt sich Ethnozentrismus. Dessen sind wir uns nicht bewusst. Deswegen ist es so schwer, andere Weltanschauungen zu akzeptieren. Nur wenn wir uns dem bewusst sind, können wir lernen, Fremdes nicht als Bedrohung wahrzunehmen.

    Was habt ihr für Ansichten?

    Ich bin bestimmt die Userin mit der höchsten Quote an Themen mit 0 Beiträgen. Wäre schön, wenn ich hier ein paar Antworten bekommen könnte

    Einen schönen erdrückend heißen Freitagnachmittag!

    Eure Zwiebelsüchtige

  2.  
    Anzeige
  3. #2
    Avatar von Virgenie

    Registriert seit
    26.12.2007
    Beiträge
    2.395
    Ohja,diese Thematik wurde bei uns ganz groß geschrieben.Kurz vor den Abiturklausuren haben wir eine Diskussion in der Klasse geführt,was sehr interessant war,da unser Jahrgang oder zumindest meine Klasse joah...ziemlich multikulturell war.Wir hatten 4 türkische Schüler,2 russische und eine gebürtige Engländerin.

    Es war sehr interessant zu hören wie sie ihren Stellenwert in unserem Land beschrieben haben.Die Engländerin hat sich schnell eingelebt und sagte,dass sie sich wohl fühlt,die beiden Russen sahen es genauso...aber die 4 türkischen Schülerinnen hatten zu der Zeit arge Probleme,meinten,sie fühlen sich nicht integriert.

    Ich weiß nicht,ob sich das bis heute geändern hat.

    Man muss dazu sagen,dass sich diese Mädels völlig vom Klassenverband ausgeschlossen haben.Sie haben zu viert immer in einer Ecke gesessen,ausschließlich ihre Landessprache gesprochen und keinerlei Interesse daran gezeigt ein Gespräch mit uns aufzubauen.Tja und irgendwann lässt man es...

    Eine Freundin von mir,die auch Türkin ist hat mir zudem erzählt.,dass die Eltern der Mädels kein Wort deutsch sprechen können und das hat mich schon etwas verärgert,weil ich das Gefühl hatte und noch immer habe,dass sie nicht ganz zu wissen scheinen,was man unter Integration versteht.Wenn ich mich dazu entscheide in ein anderes Land auszuwandern erwarte ich natürlich Chancengleichheit bei der Jobsuche und möchte dort nicht ausgeschlossen werden und die Möglichkeit haben dort einen Freundeskreis aufzubauen.Letzteres muss aber von einem selbst kommen.Wenn man sich völlig isoliert und nicht einmal gewillt ist die Sprache zu lernen...wie soll man sich da integrieren?

    Diese 4 Mädels hatten arge Probleme in der Schule,especially in dem Fach deutsch...warum?Wenn zuhause und auch woanders nur türkisch gesprochen wird,ist das kein Wunder.

    Eines Tages ist ein Elternpaar von einem der Mädels in die Schule gekommen.Sie haben sich über die schlechten Leistungen ihrer Tochter beschwert und meinten,dass sie sie nicht richtig im Schulsystem integriert würden,wollten sogar,dass es Nachhilfeunterricht auf türkisch gibt.

    Ich fand und finde es noch immer total schwachsinnig.Ist es Aufgabe der Lehrer ihren ´aus dem Ausland integrierten´ Schülern das Sprechen beizubringen?

    Ist das in anderen Ländern so?

    In den USA beispielsweise leben viele Asiaten.Klar,sie bauen sich ihr eigenes kleines China auf (China-Town) und wollen bestimmte kulturelle Rituale bei behalten und das ist auch in Ordnung.Aber ich kann mit Sicherheit sagen,dass sie die englische Sprache drauf haben.

    Fordern jene auch,dass ihre Landessprache in irgendeiner Weise eingeführt werden sollte?

    Ich weiß nicht,warum sich einige Leute so verhalten.Tun sie es aus eigenem Willen oder ist die soziale Diskriminierung,die man wohl nie völlig ausschließen kann Grund für deren isolierte Lebensweise?

    Ich weiß es nicht,aber es hat mich ziemlich verärgert.Andere schaffen es auch...

    (Damit mich jetzt niemand falsch versteht: Ich möchte jetzt auf keinem herumtrampeln und sagen,dass sich nur türkische Mitbewohner so verhalten.Ich denke,dass es bei anderen auch so ist.)

    Der Staat akzeptiert sogar,dass ausländische Einwanderer ihre Staatsbürgerschaft behalten können.Ist dem so,hat man natürlich eingeschränkte Rechte.Und in jenem Moment muss man Eigeninitiative ergreifen,sonst wird sich an der Lebenssituation nichts ändern.

    Das zu verstehen ist schon mal die erste Problematik

    Zudem liegt in weiten Teilen der Bevölkerung eine latente Fremdenfeindlichkeit vor, da viele Menschen ausländische Arbeitnehmer als Verantwortliche für vollkommen anders bedingte Prozesse wie Arbeitslosigkeit oder gesellschaftlichen Wertewandel ausmachen.

    Sie fühlen sich bedroht.

    Einige denken auch,dass das schlechte Abschneiden bei der PISA-Studie größtenteils auf die Einwanderer zurückzuführen ist.Ob es stimmt?Ich weiß es nicht...würde sich ein Großteil so wie diese 4 türkischen Schülerinnen verhalten,sprich nicht gewillt sein die Sprache zu sprechen und damit schlechtes Abschneiden in der Schule zu verursachen....nun,dann könnte ich mir das schon vorstellen...aber ich bin die Letzte die auf Vorurteilen herum reitet und will auch nicht alle über den gleichen Kamm scheren.

    Es muss ein gegenseitiges Interesse bestehen,damit man Vorurteile aus dem Weg schaffen und zusammen leben kann.Kommt die Bemühung zur Integration lediglich von einer Seite,kann es nicht funktionieren.

    Die verschiedenen Gruppen sollen gleichberechtigt sein, ihr Zusammenleben soll von Toleranz und gegenseitigem Verständnis bestimmt sein, was auch den Grundsatz der Interaktion und Begegnung voraussetzt.Aber wie gesagt...das Interesse und die Bemühung sollte auf beiden Seiten bestehen.

    Wenn ich es total falsch verstehen sollte seht es mir nach.Ich bin noch jung.

    Schwieriges Thema.^^

  4. #3
    Avatar von Onion Addict

    Registriert seit
    10.04.2010
    Beiträge
    252
    Danke für deine ausführliche Antwort, Virgenie

    Das ist wirklich ein sehr schwieriges Thema. Umso mehr man sich damit beschäftigt, umso komplizierter wird es.
    Denn im Grunde gibt es keine universell gültigen Kriterien mit denen man bewerten kann, welche Werte und Moralvorstellungen für alle Menschen zu gelten haben sollten. Alle Theorien die jemals aufgestellt wurden, sind ja nur Ausdruck einer einzigen Kultur bzw. Kulturgebietes. Daher ist es auch nicht möglich zu urteilen, welche Aspekte einer anderen Kultur der eignen zu weichen haben.
    Sogar solche für uns Europäer selbstverständliche Kriterien wie die Menschenrechte auf Freiheit des Individuums und körperliche Unantastbarkeit, sind nur für uns selbstverständlich. Es ist sehr schwer zu akzeptieren, dass das, was wir als richtig und vorbildlich empfinden, keinerlei Gültigkeit haben kann.Das muss man sich wirklich mal überlegen. Da raucht einem irgendwann der Kopf!
    Jeder Mensch glaubt daran, dass seine Auffassung die einzig richtige ist. Anders können wir gar nicht leben. Aber was ist dann richtig, wenn zwei verschiedene Auffassungen sich treffen? Niemand kann das entscheiden. Am Beispiel der Menschenrechte wird das ganz deutlich. Wir Menschen aus dem Abendland denken, dass es kein höheres Gut gibt als die Achtung des Individuums. Niemand sollte es gestattet sein, ein andere Person zu unterdrücken, sie zu versklaven, ihr Gewalt anzutun/zu töten etc. Wir denken, alles, was die Person vor anderen Personen schützt ist gut. Für mich ist das auch selbstverständlich. Aber es gibt viele Kulturen, für die es selbstverständlich ist, dass ein Individuum bedeutungslos ist gegenüber einer übergeordneten Einheit, wie der Gemeinde oder sogar dem Universum.
    Wenn ich persönlich der Überzeugung bin, dass es kein höheres Gut geben kann, als so miteinander zu leben, dass möglichst niemand zu schaden kommt, ist das genauso richtig oder falsch zu sagen, dass die Frau dem Mann zu gehorchen hat!
    Jeder Versucht objektive Erklärung, wieso das eine nur unrecht oder grausam sein kann, entstammt meiner kulturellen Prägung. Sehr sehr schwer zu akzeptieren!

    Jetzt aber mal von der komplexen theoretischen Ebene auf die Schule zurück:
    Integration ist immer schwierig. Wieviel Anpassung darf man von Zuwanderern verlangen? Ich kann jetzt auch nur meine von meiner Kultur geprägte Auffassungen nennen, welche wäre: Integration sollte niemals völlige Assimilation bedeuten, was es aber leider oftmals versteckt meint. Ich finde es nicht richtig von Einwanderern zu verlangen, dass sie die deutsche Kultur übernehmen. Es sollte jedoch im gegenseitigen Interesse sein, sich der Kultur eines Landes soweit anzupassen, dass es möglich ist, ein autonomes Leben zu führen. Das bedeutet zuallererst, die Landessprache zu lernen. Ich denke, das kann verlangt werden. Wie soll es den Einwanderern sonst möglich sein, gute Arbeit zu finden? Der Staat hat die Aufgabe, Zuwanderern ein produktives Leben als Mitglied der Gemeinschaft zu ermöglichen. Das setzt voraus, dass beide Seiten dazu beitragen. Der Staat muss Einwandererkinder fördern, damit sie die deutsche Schule absolvieren können und muss gesetzlich dafür sorgen, dass Einwanderer bei der Job oder Wohnungssuche nicht diskriminiert werden. Dafür muss jeder Deutsche seinen Teil beitragen und Menschen anderer Herkunft akzeptieren. Gesetzliche Gleichheit ist wirkungslos, wenn Arbeitgeber sich nicht daran halten. Der Einwanderer muss aber auch selbst gewillt sein, ein Teil der Gemeinschaft zu werden.
    Das Problem ist aber, dass Einwanderer durch Diskriminierung den Willen verlieren sich zu integrieren, weil sie merken, dass sie egal was sie tun, nur als Ausländer gesehen werden. Besonders eben solche, die allein durch ihre äußere Erscheinung immer als Einwanderer zu erkennen bleiben.
    Ich denke bei den 4 türkischen Mädchen muss es einen Grund haben, wieso sie sich selbst so isolieren. Jede Einwanderergruppe formt eigene Gemeinschaften, in denen sie ihre Kultur weiterhin leben können. Das ist wichtig um seine Identität nicht zu verlieren. Denn nur weil ich mich dazu entschlossen habe oder dazu gezwungen wurde, in einem anderen Land zu leben, heißt dass ja nicht, dass ich meine Herkunft verleugne und nichts mehr mit meinem Heimatland zu tun haben will.
    Aber die meisten Menschen wandern ja aus, weil sie sich woanders ein besseres Leben erhoffen. Dafür muss man aber etwas tun. Wer sich jedoch isoliert und sich dann beschwert, man sei von allem ausgeschlossen, ist selbst Schuld. Nur muss man mit solchen Aussagen natürlich aufpassen. Denn man darf die ausländerfeindliche Haltung eines Landes nicht unterschätzen. Welche Anstrengungen früher unternommen wurden, aber zu nichts führten, kann man nicht sehen.
    Sicher gibt es Einwanderer die sich nur auf dem großzügigen deutschen Sozialstaat ausruhen wollen, so wie das Deutsche auch gerne tun. Aber es kommt nicht aus der Luft, dass Deutschland zu einem der Länder gehören, wo Integration am wenigsten greift. Du hast recht, in Ländern wie den USA oder Frankreich übernehmen Einwanderer viel selbstverständlicher die Landessprache und fühlen sich irgendwann sogar als Bürger. Deutschland macht da irgendwas falsch. Ich weiß nicht was. Ich würde nicht sagen dass Deutsche ausländerfeindlicher sind als andere Länder. Obwohl es in Deutschland nach meiner Beobachtung schwerer zu sein scheint als Bürger akzeptiert zu werden, da es bei uns vor dem 2.Weltkrieg wenige sichtbare Ausländer gab, glaube ich. Deutschland war auch eine Kolonialmacht, aber wir haben keine Sklaven ins Land geholt oder so etwas. Es muss trotzdem eher an staatlichen Unterstützungsprogrammen liegen und an der Behandlung durch die Behörden.
    Schulen brauchen extra Deutschunterricht für Einwandererkinder, das ist klar. Aber das richtige Erlernen ihrer Muttersprache sollte meiner Meinung nach in Privatschulen stattfinden. Durch die Eltern dürfte der Erhalt der Muttersprache ja kein Problem sein. Möchten die Eltern oder die Kinder selbst, ihre Sprache auch richtig schreiben und lesen können, sind das Ausgaben, die dem Staat nicht auferlegt werden sollten. Bei so vielen verschiedenen Sprachen wäre das Irrsinn. Genauso wie Unterricht in mehreren Sprachen. Dafür muss man erstmal qualifizierte Lehrer finden!
    Als Einwanderer kann ich verlangen, dass man mich beim Spracherwerb unterstützt und dass ich nicht bei der Teilhabe am öffentlichen Leben diskriminiert werde. Mir sollte es also zustehen gegen ungerechte Behandlung klagen zu können, genauso wie ich es als Deutscher kann.
    Als Staat kann ich verlangen, dass Einwanderer die Angebote annehmen und selbstständig für sich sorgen. Das funktioniert natürlich nicht so reibungslos, aber theoretisch sollte s so sein.
    Wieweit Einwanderer sich darüber hinaus anpassen, ist ihnen überlassen. Wenn sie in ihrer Freizeit nur ihre Muttersprache sprechen wollen und sich vor Kontakt mit Deutschen scheuen, ist das ok.
    Also eurozentristisch aufgewachsene Person vertrete ich die Auffassung, dass es jedem Mensch frei zusteht, sich in einer Kultur so zu bewegen wie es ihm angenehm ist, solange dadurch eben niemand zu schaden kommt. Sich selbst eingeschlossen. Obwohl letzteres auch so ne Sache ist.

    So sehe ich das

    Entschuldigung für diesen erschlagenden Kommentar. Hilft mir dabei das zu speichern, was ich gerade gelesen habe.

  5. #4
    Avatar von Adler

    Registriert seit
    24.06.2010
    Beiträge
    14
    Hallo Onion Addict!

    Das ist ein interessantes und ziemlich heikles Thema, wie ich finde.

    An meiner Schule wird der Umgang mit fremdländischen Menschen eigentlich gar nicht thematisiert. Manchmal wird im Geschichte Unterricht ganz kurz etwas in die Richtung angeschnitten, aber dass man das mal in der Klasse ein paar Stunden lang diskutiert, habe ich noch nie erlebt. Ich selbst allerdings muss sagen, dass ich eher gegen die Zuwanderung bin, da ich es wirklich oft erlebe, dass v.a. türkische Mitschüler einfach nur unfreundlich und gemein sind und sich fast nur mit ihres Gleichen gesellen. Sie igeln sich ein, reden türkisch etc.
    Aber das soll ja hier nicht Thema sein!

    Ich würde mir als Schüler wünschen, dass man in Schulen mehr auf soetwas eingeht. Eine offene Diksussionsrunde einmal im Monat mit der gesamten Klasse inklusive Lehrer. Man redet über die Probleme und sucht Lösungen. (Wobei auch das schon an manchen Haupt- und Realschulen zuviel verlangt ist.)

    Hoffe, ich bin mit meinem Beitrag nicht allzu weit übers Ziel, oder am Thema vorbei, hinausgeschoßen.

  6. #5
    Avatar von Kathrina

    Registriert seit
    11.12.2008
    Beiträge
    1.422
    Hallo Onion Addict

    In dieser Sache fühle ich mich als Eingewanderte in mehr als einer Art berufen, meine Erfahrungen zu teilen.

    Die erste Einwanderung war, in der frühen Jugend von meiner Heimat Makedonien in die Schweiz, meinem jetzigen Mann zuliebe. Meinen Mann habe ich in meinem Heimatland kennengelernt und wir haben zunächst uns auf Englisch unterhalten. Als sich eine ernte Beziehung ankündigte, belegte ich einen Intensivkurs Deutsch. Nach dreieinhalb Monaten habe ich meinem Mann den ersten Liebesbrief auf Deutsch geschrieben. Er hat sich vor Freude überschlagen und ca. 80 SFr. (ca. 100 DM) für ein Telefongespräch verbraten. Das war damals viel Geld...

    Nach dem ich in die Schweiz kam, belegte ich weiter einen Intensivkurs Deutsch und begann dann mein Jurastudium. Wir heirateten und ich wurde via Heirat Schweizerin. Im gleichen Herbst belegte ich einen Kurs Basler Dialekt und nach drei Monaten konnte ich auch Dialekt fliessend, wenn auch beileibe noch nicht fehlerfrei sprechen.

    So gesehen habe ich immer alles getan, um mich zu integrieren. Ich verkehrte praktisch ausschliesslich unter Schweizern, ausser meiner Mutter und Tante, welche manchmal zu Besuch kamen und mir beträchtlich mit der Aufzucht meines Nachwuchses halfen hatte ich äusserst selten Kontakt zu Landesleuten. Meine Kinder können meine Muttersprache kaum, nur ansatzweise. Jedoch Mentalitätsunterschiede haben es weitgehend verhindert, dass ich viele gute Beziehungen in meinem Umfeld aufbauen konnte. Ich habe alles gegeben, habe jedoch kaum ein stabiles soziales Netz in meinem Lande (in der Schweiz).

    Dann hatte ich in meinem zweiten Beruf als Ärztin meine erste Stelle in Deutschland. Deutsche sind wesentlich anspruchsloser den Zuwanderern gegenüber, was die Integration angeht. Mein penetrantes Schweizer Dialekt, welches auch ins Hochdeutsche durchdringt, hat die Sache sicherlich erleichtert, denn man nimmt mich hierzulande als ‚die Schweizer Ärztin‘ war.

    Interessanterweise kommen meine Art und mein Humor in Deutschland wesentlich besser an als in der Schweiz. Von dem her habe ich in Deutschland immer warmen Empfang genossen und habe auch einige Freunde. Die Integration war somit viel schneller und erfolgreicher als in meiner eigentlichen Heimat, wie ich die Schweiz halt doch empfinde. Die Deutschen sind viel offener und aufgeschlossener als die Schweizer, und meine manchmal überlaute Stimme hat mir bei weitem keine so grossen Schwierigkeiten in Deutschland eingebracht wie dies in der Schweiz der Fall war (die Schweizer reden auch nicht, sie flüstern beinahe. Die Deutschen sind in dieser Hinsicht ‚normaler‘, sprich: lauter.

    Ich bin sprachlich gesehen wohl eher ein Mustermädchen, auch vom eisernen Integrationswillen her gesehen. Trotzdem war es sehr schwierig, und auf eine Art verstehe ich die türkischen Einwanderer, welche ihre Grossfamilie und ihre Sippschaft so penetrant pflegen, weil sie wohl lieber dein türkischem Bulbul in der Hand behalten als der deutschen Taube auf dem Dach nachzujagen. Meistens jedoch sind sie ‚Türkischer‘ als ihre Landesgenossen in Türkei, die häufig vom Kopftuchtragen nichts halten (Kemal Atatürk hat ein Kopftuchverbot eingeführt, welches auch heute grundsätzlich gilt) und häufig wesentlich moderner leben als dies bei den unterprivilegierten Einwanderern in Deutschland der Fall ist. Nicht vergessen darf man, dass kaum jemand ohne Not auswandert und wir in Westen häufig kaum gebildete Leute aus den städtischen Gebieten haben sondern die armen Menschen aus Anatolien, welche zu uns kamen, weil sie bereits in der Heimat ohne Bildung und ohne Zukunftsaussichten standen, damit sie hier im Westen die Arbeiten verrichten, welche sonst niemand tun will… Dass diese Leute auch Mühe beim Spracherwerb haben, und ihre Kinder vererbte Armut mitnehmen (Armut ist leider Gottes vererbbar), wird das Problem noch eine Weile bestehen.

  7. #6
    Avatar von Philine

    Registriert seit
    16.05.2010
    Beiträge
    95
    An meiner Schule wird der Umgang mit Menschen anderer Herkunft eigentlich fast gar nicht thematisiert.
    Natürlich spricht man ab und zu mal im Unterricht darüber, aber nie so wirklich. Vielleicht liegt es daran, dass es an meiner Schule so gut wie keine Probleme mit Ausländerhass gibt, ich weiß es nicht. Wir haben zwar auch einige Ausländer an der Schule, die werden aber vollkommen akzeptiert. Das mag vielleicht auch ein bisschen an der Schulform (Gymnasium) liegen. An den anderen Schulen in meiner Stadt gibt es da schon mehr Probleme.

    Ich finde, man sollte das Thema im Unterricht schon ansprechen, am besten schon in der Unter- und Mittelstufe, weil da, hier jedenfalls, am meisten gemobbt wird. Es sollte aber auch nicht zu viel werden, weil einem das Thema dann irgendwann auf die Nerven geht und es keiner mehr ernst nimmt.

Ähnliche Themen

  1. 6x14 - Ein Arbeitstag wie kein anderer (5 to 9)
    Von Violett im Forum Staffel 6 (111-132)
    Antworten: 50
    Letzter Beitrag: 09.11.10, 19:11
  2. 5x04 - Unerwünschte Herkunft (Birthmarks)
    Von _HouseMD im Forum Staffel 5 (87-110)
    Antworten: 174
    Letzter Beitrag: 18.09.10, 14:32
  3. Sagen eurer Region
    Von Steffi House im Forum Reisen, Natur und Kultur
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 24.05.10, 06:41
  4. Edel und Stark
    Von Terrier im Forum Serien-Arena
    Antworten: 26
    Letzter Beitrag: 07.03.07, 15:07