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#117960
Kinofreak
Mitglied

Ok, hier die Übersetzung zum Artikel vom 01.09.06 aus LIFE

Verrückte Ärzte und Engländer

Wenn er nicht gerade in seiner Hit-Serie ?House? teuflische Krankheiten diagnostiziert, klimpert er auf dem Klavier herum, schlägt sich ein wenig, vermisst seine Familie ? und zeigt etwas Bein.

In den USA kennt man Hugh Laurie als den unbeschreiblich sexy Dr. Gregory House, einen Könner als Arzt und hingebungsvollen Querulanten in der Fox-Serie House. Fans in seinem Heimatland kennen ihn daneben noch als Musiker, Wettkampf-Ruderer (er gewann die Nationale Juniorenmeisterschaft 1977), einen anerkannten Krimi-Autor (The Gun Seller, 1998), und den langgesichtigen Co-Star der beliebten britischen TV-Comedies ?A Bit of Fry & Laurie? und „Blackadder?, ebenso wie als Ehemann (seit 17 Jahren) von Jo Green und Vater von Charlie, 17, Bill, 15, und Rebecca, 13.
Kürzlich traf LIFE an einem Nachmittag in Pasadena den 47 Jahre alten Renaissance-Menschen, der entwaffnende Einsichten in viele Bereiche gab, von Dirty Harry über ?Fernvaterschaft? bis dazu, wie er ?House? fern von seiner Heimat zu seinem Zuhause gemacht hat.

LIFE: Du bist als Schauspieler viel gereist. Was an Amerika hat dich am meisten überrascht?
HUGH: Ich kann nicht leugnen, dass ich mit Angst nach LA kam. Es hat einen merkwürdigen und kraftvollen Ruf, selbst für Amerikaner. Es ist ein verrückter Platz aus Kokain, Jacuzzis, Blitzlichtern und Gier. Arbeit ist eine gute Art von ?Fenster? darauf, wie Menschen denken und sich verhalten. Ihre Wachsamkeit ist niedriger, wenn sie arbeiten, weil sie sich auf etwas anderes konzentrieren. Zum größten Teil war ich überrascht, wie gewöhnlich ? im positiven Sinne, LA ist. ?Gewöhnlich? wie in anständig, hart arbeitend und zweckmäßig. Tatsächlich? ich würde gerne eine große Tour durch Amerika machen, vorzugsweise auf einem Motorrad, Norden, Süden, Osten, Westen, um es einfach richtig kennen zu lernen.

LIFE: Was für ein Motorrad wirst du fahren?
HUGH: Ich fahre hier eine Triumph, weil ich Flagge zeigen will. Das ist ziemlicher Hurra-Patriotismus, aber es ist ein britisches Bike und ich mag es und dachte mir, ich kann genauso gut meinen Teil beitragen. Aber ich fühle mich ein bisschen wie ein Betrüger. Es ist ein abgedroschenes Bild, wenn ein Engländer mittleren Alters versucht, wie Marlon Brando in ?Der Wilde? zu wirken. Ich bin nicht der Wilde. Ich werde es nie sein. Aber auch in England ist das Bike mein Fortbewegungsmittel. Ich bin fassungslos ? fassungslos ? dass nicht mehr Kalifornier es machen. Das Wetter hier ist so gut. Das Problem in England ist, dass es wie aus Eimern schüttet und dunkel ist und die meiste Zeit des Jahres Minusgrade herrschen. Aber hier ist es herrlich.

LIFE: Abgesehen davon, dass du Motorrad fährst, könnten die Leute von deinem Faible für Dirty Harry überrascht sein. Was magst du an ihm?
HUGH: Ich hatte in Eton Englisch bei einem Lehrer, der auch einen Filmkurs geleitet hat. Er war intelligent und sehr exzentrisch. Eine seiner seltsamsten und bewundernswertesten Charaktereigenschaften war, dass er Clint Eastwood mehr verehrte als jede andere Person in unserer Kultur. Er machte seine Schar Schulanfänger mit der Welt von Dirty Harry bekannt. Und das ist hängen geblieben. Er hat mir wirklich die Augen geöffnet für diesen faszinierenden Charakter, und das ist seither so geblieben. In meiner eigenen schwachen Art sehe ich Elemente von Dirty Harry in Dr. House. Natürlich kann ich ihn nicht so darstellen, wie Clint es könnte ? aber auf eine gewisse Art und Weise versuchen alle TV-Helden, bewusst oder unbewusst, den 70er-Jahre-Archetypen Dirty-Harry zu imitieren: den einsamen, aufrechten Mann.
LIFE: Als zu hergezogen bist, um in House zu spielen, sind deine Frau und Familie in London geblieben. Nachdem House jetzt eine der heißesten Shows im TV ist, bleibt es trotzdem dabei?
HUGH: Es hat sich nichts geändert. Noch nicht. Wenn das vor 10 Jahren passiert wäre, wären die Kinder zwischen 5 und 8 gewesen. Es wäre einfach gewesen. Sie wären einfach für ein oder zwei Jahre hier zur Schule gegangen. Aber jetzt machen sie ihre eigenen Pläne darüber, zur Uni zu gehen ? oder nicht. Es gibt Beziehungen und Freundschaften. Es ist ein großer Umbruch, sie da rauszureißen. Also stellen wir uns das so vor, als wäre ich in der Navy. Ich bin für wer weiß wie viele Monate auf See, und gelegentlich kriege ich Heimaturlaub.

LIFE: Was ist der Trick dabei, Kinder zu erziehen, wenn sie wissen, dass ihr Vater 3000 Meilen weit weg ist und ein Ozean zwischen ihnen liegt?
HUGH: Glücklicherweise ? und das hier fordert das Schicksal heraus ? erziehen sie sich ziemlich gut selbst. Das wird meine Frau rasend machen. Sie würde selbstverständlich sagen: ?Nein, tun sie nicht. Ich mache es? und sie hätte absolut recht. Aber es sind wirklich gute Kinder. Ich meine, sie sind keine strahlenden ?Sound of Music?-Kinder, die in Eintracht singen ? das nicht. Aber sie sind liebenswert, versuchen immer, das Richtige zu tun.

LIFE: Eins deiner neuesten Hobbys ist Boxen. Was gefällt dir daran?
HUGH: Es ist überraschen technisch. Ein Trainer in London hat es als Schach beschrieben, aber 1000-mal schneller. Der Zug, der Gegenzug, die Täuschung. Aber ich mag es auch wegen seiner Westlichkeit. Es geht alles um die postkoloniale Schuld, die wir fühlen. Wir fühlen uns schuldig wegen unseres Wohlstands und Komforts, also suchen wir anderswo nach spartanischen alternativen Wahrheiten. Überlicherweise im Osten. Sie wissen dort wirklich viel, sie verstehen viel. Alles aus dem Osten ? Medizin, Kampfkunst, Religion ? ist wahr, glaubwürdig und tiefsinnig. Aber Boxen ist eine westliche Tradition, die mindestens genauso weit zurückreicht wie die östlichen Traditionen. Sie wird nur nicht so verehrt.
Der Ring ist Angst einflößend. Ich bewundere Menschen, die sich freiwillig in die isolierte Position bringen, in einen Ring zu steigen, wenn 500 Leute ? oder möglicherweise 50 Millionen ? sehen, wie sie sich zum Narren machen. Das erfordert eine Courage, die nahezu unvergleichlich ist.

LIFE: Letztes Jahr hast du für House einen Golden Globe bekommen. Dieses Jahr war die Serie für 4 Emmys nominiert, du aber nicht. Wie geht es dir damit?
HUGH: Ich finde das überhaupt nicht seltsam. Ich habe die Serie, in der ich spiele, nicht gesehen, genauso wenig wie die anderen Serien. Ich verstehe das so: eine Gruppe Leute sitzt in einem Raum, und ich weiß nicht, ob die sich das zusammen angucken, oder wie sie das machen, aber sie treffen eine Entscheidung, und so sollte das sein.

LIFE: Ist es Zufall, dass 3 von 6 Hauptdarstellern in House, dich eingeschlossen, Ärzte als Väter hatten?
HUGH: Ärzte befassen sich mit den Dingen von Leben und Tod, den Mechanismen des Lebens, den rauen Wahrheiten in einer Art, in der auch Schauspieler das versuchen. Ein Arzt muss sich einen Menschen ansehen und sagen ?Was ist hier falsch? Wie kann ich das reparieren?? Möglicherweise schauen Schauspieler Menschen an und stellen dieselbe Frage, aber mit einem anderen Ziel. Nicht ?Wie löse ich das Problem?? sondern ?Wie finde ich heraus, warum diese Person so ist, wie sie ist??
Es gibt überproportional viele Arztkinder in den darstellenden Künsten. Aber ich habe in meine Theorie wirklich kein großes Vertrauen. Sie ist ziemlich schwach.

LIFE: Dein Vater, der für England eine olympische Goldmedaille im Rudern gewonnen hat, hat dich in diesem Sport trainiert. Teile einige seiner Ruderer-Weisheiten mit uns.
HUGH: Mein Vater hat nicht bewusst Aphorismen geprägt. Er war ein viel zu bescheidener Mann zu glauben, dass irgendjemand seine Weisheiten aufschreiben würde. Ich erinnere mich, dass er einige gute Dinge sagte, wie etwa ?Jeder Idiot kann gewinnen.? Das habe ich mir immer zu Herzen genommen. Was er meinte, war ?Gewinnen lehrt dich nichts?. Du gewinnst. Ende der Geschichte. Aber das Verlieren und wie du damit umgehst und was du daraus lernst ? das ist der interessante Teil.
Das Interessante am Rudern ist, dass du in die falsche Richtung guckst. Wenn du zurückfällst, kannst du nicht sehen, wer gewinnt. Das geht dir nicht aus dem Kopf: wie du den Kontakt hältst, um dann vor dem Ziel noch mal einige Schläge lang kräftig durchzuziehen. Mein Vater und ich diskutierten diese strategischen Schläge und er sagte ?Nun, du könntest all das tun, aber ich erinnere mich, als ich gerudert bin, hatten wir nur einen Schlag. Du legst in diesen Schlag alles hinein, und wenn es nicht klappt, nun, wir verlieren alle einige Rennen.? Das Lustige daran war, er hat nie irgendwelche Rennen verloren. Er hat alles gewonnen. Aber ich dachte mir, das ist eine tolle Art, das Leben zu betrachten: Du hast einen großen Schlag. Leg alles da hinein, was du hast. Wenn es nicht klappt, nun, wir alle verlieren einige Rennen. Wenn du dich zurückhältst, wen du dich nicht genug reinhängst, wirst du nie Ergebnisse erzielen.